Infrarotheizung oder Wärmepumpe: Was kostet mehr über 20 und 40 Jahre?

01.10.2026

Die Kurzantwort: Eine Wärmepumpe braucht pro Kilowattstunde Wärme weniger Strom – dafür kostet sie in der Anschaffung ein Vielfaches, muss regelmäßig gewartet werden und hält meist 15 bis 20 Jahre. Eine Infrarotheizung heizt gezielt Raum für Raum, speichert die Wärme in Wänden und Boden und ist nahezu wartungsfrei. Über 20 Jahre liegen die Gesamtkosten in einem mittel gedämmten Einfamilienhaus deshalb oft in derselben Größenordnung. Über 40 Jahre wird der Unterschied deutlich: Die Wärmepumpe muss einmal ersetzt werden, die Infrarotheizung nicht – das spart im Beispiel rund 12.700 €.

„Die Wärmepumpe ist doch viel effizienter – warum sollte ich Infrarot nehmen?“ Diese Frage hören wir in Beratungsgesprächen fast täglich. Die ehrliche Antwort: Der Stromverbrauch allein entscheidet nicht. Was zählt, ist, was eine Heizung über ihre gesamte Lebenszeit kostet – Anschaffung, Strom, Wartung und Reparaturen.


Entscheidet der Stromverbrauch allein über die Heizkosten?

Nein. Wie viel Sie am Ende zahlen, hängt auch davon ab, wie gezielt geheizt wird und wie viel Wärme beim Lüften verloren geht.


Fair ist fair: Die Wärmepumpe macht aus 1 kWh Strom etwa 3 bis 4 kWh Wärme, weil sie Energie aus Luft oder Erde nutzt. Die Infrarotheizung wandelt Strom eins zu eins in Wärme um. Dafür heizt sie anders: Statt die Raumluft zu erwärmen, erwärmt sie – wie die Sonne – direkt Wände, Boden, Möbel und Menschen. Daraus ergeben sich zwei Vorteile, die den Effizienznachteil im Alltag ausgleichen.


Was passiert mit der Wärme beim Lüften?

Bei einer Infrarotheizung bleibt der Großteil der Wärme erhalten, weil sie in Wänden, Decke und Boden gespeichert ist – nicht in der Luft.


Beim Lüften tauschen Sie vor allem die Luft aus, die Wärme bleibt in den Bauteilen und wird danach wieder an den Raum abgegeben. Warme Oberflächen sorgen zudem für Behaglichkeit schon bei etwas geringerer Lufttemperatur, verhindern kalte Ecken und nehmen Schimmel die Grundlage. Bei uns heißt das: Frühlingsstrahlen statt trockener Heizungsluft.


Raum- und Zonensteuerung

Raum für Raum und sogar Zone für Zone – auch in offenen Wohnbereichen und bei offenen Türen. Genau hier entsteht das größte Sparpotenzial.


Weil die Wärme nicht über die Luft verteilt wird, bleibt sie dort, wo sie gebraucht wird: Die Essecke ist warm, der Leseplatz wird nur bei Bedarf zugeschaltet. Per Thermostat oder Smart Home (z. B. Homematic IP) heizen Sie nur, was Sie gerade nutzen. Eine Wärmepumpe arbeitet dagegen am effizientesten, wenn sie das ganze Haus gleichmäßig und dauerhaft temperiert.


Was kosten Infrarotheizung und Wärmepumpe in der Anschaffung?

Die Infrarotheizung kostet meist nur einen Bruchteil: rund 9.800 € für 100 m² gegenüber oft 20.000 bis 50.000 € für eine Wärmepumpe vor Förderung.


Beispiel: 100 m², mittel gedämmt

Kriterium Infrarotheizung (Heizplatten) Luft-Wasser-Wärmepumpe
Anschaffung inkl. Einbau ca. 9.800 € (ohne Montage ca. 8.200 €) meist 20.000–50.000 € vor Förderung
Förderung – 30 % Grundförderung, bis 80 % mit Boni (förderfähig max. 28.000 €)
Einbauaufwand ca. 1 Woche, nur Stromanschluss Außengerät, Hydraulik, ggf. neue Heizkörper
Wartung pro Jahr keine regelmäßige Wartung ca. 150–400 €
Typische Lebensdauer Heizfolie ohne bewegliche Teile; Praxisbeispiel 53 Jahre meist 15–20 Jahre

Infrarot: infraStar-Preise Stand 04/2026, brutto, 80 W/m², inkl. Planung, Beratung, Regeltechnik und Versand. Wärmepumpe: Marktwerte laut ADAC und KfW-Förderbedingungen seit 21.07.2026.


Zur Förderung: Seit dem 21. Juli 2026 gibt es für Wärmepumpen 30 % Grundförderung, beim Austausch einer alten Öl- oder Gasheizung aktuell 16 % Bonus (sinkt ab Februar 2027) und mit Einkommensbonus bis zu 80 %. Gefördert werden höchstens 28.000 €, beantragt wird vor Baubeginn. Die Infrarotheizung braucht kein Förderverfahren – und ist trotzdem in der Regel günstiger.


Wie hoch sind Heizkosten und Wartung im laufenden Betrieb?

Inklusive Wartung liegen beide Systeme pro Jahr in einem ähnlichen Bereich – die Wärmepumpe verbraucht weniger Strom, braucht dafür aber regelmäßig einen Fachbetrieb.


Laut unserer Kalkulation kosten Infrarot-Heizplatten im mittel gedämmten Haus rund 16,80 € pro m² und Jahr (Hauptraum durchgehend 21 °C, 140 Heiztage) – für 100 m² also ca. 1.680 €. Für eine Wärmepumpe nennt der ADAC meist 750 bis 1.600 € Strom pro Jahr, plus 150 bis 400 € Wartung. Mit eigener PV-Anlage sinken die Kosten bei beiden – bei Infrarot besonders direkt, weil der Solarstrom ohne Umweg zur Wärme wird.


Was kosten beide Systeme über 20 und 40 Jahre?

Nach 20 Jahren liegen beide fast gleichauf, nach 40 Jahren ist die Infrarotheizung rund 12.700 € günstiger – weil die Wärmepumpe in dieser Zeit einmal neu gekauft werden muss.

Kostenpunkt Infrarotheizung Wärmepumpe
Anschaffung inkl. Einbau 9.800 € 30.000 €
Förderung (46 %) – – 12.880 €
Heizstrom 20 Jahre 33.600 € (1.680 €/Jahr) 22.000 € (1.100 €/Jahr)
Wartung 20 Jahre 0 € 6.000 € (300 €/Jahr)
Summe nach 20 Jahren ca. 43.400 € ca. 45.120 €
Summe nach 40 Jahren ca. 77.500 € ca. 90.240 €

Annahmen: gleichbleibende Strompreise; Wärmepumpe mit Grundförderung und Klimageschwindigkeitsbonus auf 28.000 € förderfähige Kosten; mittlere Werte für Strom und Wartung. 40 Jahre: Wärmepumpe nach 20 Jahren neu gekauft, erneut mit 46 % Förderung; Infrarotheizung ohne Neuanschaffung, nur neue Thermostate für ca. 500 €. Reparaturen sind bei der Wärmepumpe nicht eingerechnet. Mit Einkommensbonus fällt die Wärmepumpe günstiger aus. Das Beispiel ersetzt keine individuelle Heizkostenberechnung.


Das Ergebnis: Nach 20 Jahren liegen beide Systeme in derselben Größenordnung. Danach zeigt sich der eigentliche Vorteil: Während für die Wärmepumpe eine zweite Anlage fällig wird, heizt die Infrarotheizung einfach weiter. Dazu kommt: Bei der Infrarotheizung zahlen Sie deutlich weniger am Anfang, brauchen keinen Förderantrag und keinen Wartungsvertrag – und Reparaturen an Kompressor, Pumpe oder Hydraulik fallen schlicht nicht an.


Für wen lohnt sich welches System?

Infrarotheizung: Sanierung und Altbau, Räume mit unterschiedlicher Nutzung, vorhandene oder geplante PV-Anlage, Wunsch nach schneller Montage ohne Wartung und Förderanträge.


Wärmepumpe: Neubau oder sehr gute Dämmung, vorhandene Fußbodenheizung, gleichmäßiges Durchheizen und volle Förderung.


Fazit

Die Wärmepumpe punktet bei der Effizienz, die Infrarotheizung bei Anschaffung, Wartung und Lebensdauer. Über 20 Jahre liegen beide oft nah beieinander, über 40 Jahre spart die Infrarotheizung im Beispiel rund 12.700 €, weil keine zweite Anlage nötig ist. Dazu binden Sie weniger Geld vorab und müssen sich um Reparaturen kaum Gedanken machen. Mehr dazu, ob Heizen mit Strom grundsätzlich teurer ist, lesen Sie in unserem Beitrag „Ist Heizen mit Strom wirklich teurer? Ein ehrlicher Kostenvergleich“.

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Ist Heizen mit Strom wirklich teurer? Ein ehrlicher Kostenvergleich

02.07.2026

"Mit Strom zu heizen ist doch unbezahlbar!" Diesen Satz hören wir in Beratungsgesprächen regelmäßig. Und tatsächlich kann das stimmen – allerdings nur dann, wenn falsch geheizt wird.


Genauso wie eine Gas- oder Ölheizung hohe Kosten verursacht, wenn man sie bei offenen Fenstern auf höchster Stufe laufen lässt, verhält es sich auch mit modernen Stromheizungen. Entscheidend ist am Ende nicht nur, womit geheizt wird, sondern vor allem: wie. Zwei echte Praxisbeispiele aus unserem Alltag zeigen, warum das Heizverhalten den wahren Unterschied macht.


Praxisbeispiel 1: Die unerwartete Nachzahlung

Stellen Sie sich vor, Sie nutzen Ihre Heizung dauerhaft ohne jede Form von Zeitsteuerung oder smarten Thermostaten, lassen die Räume konstant auf 25 °C aufheizen und haben zudem noch alte, schlecht isolierte Fenster in Ihrem Haus. Genau diese Ausgangslage führte bei einem realen Fallbeispiel dazu, dass die Heizung pausenlos auf Hochtouren lief. Die fehlende Regelung und der stetige Wärmeverlust durch die Fenster machten sich schmerzhaft bemerkbar.


Das ernüchternde Ergebnis am Ende des Jahres: Eine Strom-Nachzahlung in Höhe von stolzen 3.000 €.


Praxisbeispiel 2: Das Gegenbeispiel

Dass es auch völlig anders geht, zeigt unser zweites Beispiel. In einem Einfamilienhaus (Baujahr 1994) mit 160 m² Wohnfläche wurden die Räume auf behagliche 19 bis 20 °C temperiert. Dank einer intelligenten Steuerung lief die Heizung nur dann, wenn wirklich Bedarf bestand.


Das Resultat spricht für sich: Die jährlichen Stromkosten für die Infrarotheizung beliefen sich auf lediglich 693 €. Zuzüglich 300 € für gelegentliches Zuheizen mit Holz lagen die Gesamtheizkosten für das komplette Jahr bei überschaubaren 993 €.


Warum entstehen solche massiven Unterschiede?

Der Schlüssel zum Verständnis liegt in der Art der Wärmeübertragung. Eine klassische Konvektionsheizung erwärmt primär die Luft im Raum. Ihre Leistung ist oft systembedingt begrenzt; sie erwärmt die Raumluft mühsam auf etwa 22 bis 23 °C, danach ist bei vielen Systemen Schluss.


Eine Infrarotheizung hingegen funktioniert über direkte Strahlungswärme, ähnlich wie die Sonnenstrahlen. Sie erwärmt nicht zuerst die Luft, sondern direkt die Wände, Möbel und Personen im Raum. Dadurch schafft sie problemlos auch deutlich höhere Temperaturen von bis zu 30 °C, wenn man sie unreguliert laufen lässt.


Ein häufiger Denkfehler

Hier liegt das enorme Einsparpotenzial, aber auch die Gefahr für den unachtsamen Nutzer. Die Infrarotheizung an sich ist nicht teuer im Unterhalt. Teuer wird sie erst, wenn man sie falsch nutzt. Weil die Heizung so leistungsstark ist und sofort reagiert, entscheidet der Nutzer durch sein Heizverhalten maßgeblich über den Verbrauch. Wer die Heizung dauerhaft auf einer viel zu hohen Temperatur laufen lässt und auf smarte Thermostate verzichtet, verschwendet wertvolle Energie.


Fazit

Die Moral der Geschichte ist simpel: Beim Heizen mit Infrarot darf man das eigene Heizverhalten und das Mitdenken nicht vergessen. Wer eine Infrarotheizung mit einer intelligenten Raumsteuerung kombiniert, die Temperaturen bewusst wählt und nicht blindlings "zum Fenster hinaus" heizt, der profitiert von einem hocheffizienten, komfortablen und vor allem kostengünstigen Heizsystem.

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